So wanderten wir, den leichten Teil des Weges im Rücken, Richtung Brockenspitze. Die Felsen wurden größer, der Anstieg steiler. In der Nähe konnten wir die Brockenbahn hören. Ihr Signal jagte Kingston einen leichten Schauer über den Rücken. Ungewohnt und laut durchbrach es die Wanderstille. Die Gleise mussten gleich hinter den rechts von uns aufragenden Bäumen liegen.  Nach ein paar Tönen endete das Signal. Das Schnaufen der Bahn wurde minütlich leiser. Jetzt durchbrachen allein die Vögel und anderen Wanderer noch ab und zu die Stille. Das Knacken des Schnees unter den Pfoten und Schuhen ist die schönste Begleitmusik. Der Kontrast vom Schnee und der 20°C warmen Sonne verlieh der Wanderung noch ein Stückchen mehr Besonderheit, als es dieser schöne Wanderweg sowieso schon ist. Ich denke, die Erinnerungen an diesen Tag werden noch lang für das ein und andere Lächeln sorgen.

Eckdaten zum Wanderweg

Länge: ca. 10km
Höhenmeter: ca. 500 m
Landschaft: Steine & Felsbrocken, Wald & Bäche
Empfehlung Wandermonate: März-November
Ausrüstung: Wanderschuhe, unterstützendes Hundegeschirr
Qualität der Beschilderung: Sehr gut
Link zur Wanderroute: Nationalpark Harz – Tour 4
Unsere Erfahrung: April’19 = Dauer 6-7h
Parken: am besten im Parkhaus

Was dich erwartet

Shar Pei/Hund beim Wandern zum Brocken
In Kingstons schlummert eine kleine Berziege. Deshalb liebt er den Weg.

Du solltest nicht unvorbereitet losgehen. Wanderschuhe und möglicherweise ein unterstützendes Geschirr für deinen Hund, aber auch Trinken und Verpflegung sollten eingepackt sein. 10 Kilometer hören sich nicht nach viel an, aber mit 500 Höhenmetern kann es schnell anstrengend werden. Vor allem hab ich darauf geachtet, dass Kingston dafür die nötige Kondition hat. Wir können euch aus Erfahrung sagen: Wenn ihr diese Anstrengung auf euch nehmt, werdet ihr tolle Erinnerungen sammeln. Du kannst mit deinem Hund als Team an den teils herausfordernden Steinwegen zusammenwachsen. Außerdem gibt es immer wieder tolle Landschaften zu sehen. Wenn du gern Bilder machst, hast du dort also auch einige Locations für schicke Hundebilder. Weil es ein Weg auf den Brocken ist, kann dort sehr viel los sein. An manchen Wegen kann ausgewichen werden, aber wenn ihr als Team nicht viel Trubel schafft, dann solltet ihr nicht an den begehrten Wandertagen dort rauf.

Wird mein Hund den Weg mögen?

Menge von Menschen: mittel → hoch
Menge von Hunden: mittel → hoch
Möglichkeiten zum Ausweichen: vorhanden
Schwierigkeit: mittel
Passende Hundegröße: Mittel & Groß
Fitness-Level: Freizeitsportler → Athlet
Vorbereitung nötig: Hund lieber vorher trainieren

Die Anfahrt zum Brockenwanderweg

Ein warmer Frühlingstag im April (2019) erwachte als rosa Traum. Beim Frühstück konnte ich ihn durchs Küchenfenster bewundern. Bei diesem Vorboten konnten wir nur auf einen schönen Wandertag hoffen. Die Wetter-App versprach sonnige 20°C und sollte uns nicht enttäuschen. Schnell packten wir die Einkäufe von gestern in den Rucksack. Kingston bekam sein Geschirr mit Unterstützungsgriff angezogen. Unsere Wanderschuhe waren so schnell an den Füßen, dass unsere Vorfreude auch den Hund mitriss.
Die Zwei-Stunden-Fahrt ging wie im Flug vorbei, die Parkplatzsuche zog sich hin. Wenn man sich in einem Ort nicht auskennt, kann sich das Parkplatzfinden schwierig gestalten. Einige gescheiterte Parkplatz-Auswählaktionen später landeten wir im Parkhaus. Von dort aus waren es zwar einige hundert Meter bis zum Anfang des Weges, aber wir waren froh, das Auto endlich losgeworden zu sein. Der Zwischenweg stellte sich als schöner Waldweg heraus. Das minderte die erste Dämpfung.

Der Aufstieg zum Brocken – 1. Wegteil

Zuerst ging es über geteerte Straßen und breite Waldwege. Nichts besonderes, aber leicht zu bewältigen. Der Wegbelag ging über in Schotter und kleinere, gewundene Waldwege. Sowas lieben wir zum Wandern. Ab und zu traf man noch auf einen geteerten Weg. Aber ansonsten wurde der Weg immer bergiger. Felsen und große Steine machten den Aufstieg zu einem besonderen Erlebnis. Gar nicht so einfach, wenn der Felsen einen halben Meter bis Meter hoch ist. Aber es gab Ausweichrouten. Außerdem tat Kingstons Geschirr seinen Dienst. Mit unserer Unterstützung war es auch für den 53cm-großen King zu bewältigen.
Ab der Hälfte des Weges begleiteten uns zeitweise immer wieder Bächlein und Schmelzwasserflüsse. Sie luden zum Ausruhen ein. Da wir keinen Rekord aufstellen wollten, nahmen wir gern diese Einladungen über den Weg verteilt an. Ein weiterer Hingucker war die Brockenbahn. Wir warteten auf sie und ließen sie an uns vorbeiziehen. Neben der Erholung war das auch eine gute Trainingssituation für den King.
Nach ungefähr drei Stunden erreichten wir den Gipfel. Der letzte Streckenteil führt Wanderwege, die auf den Brocken führen, zusammen, weshalb dort einige Wanderer und Hunde zusammenkommen. Bei dem schönen Wetter war der Weg gut gefüllt.

Die Brockenspitze erreicht

Wieso ich Schmelzwasser erwähnte? Überraschung! Wir hatten 2019 bei uns keinen Schnee gesehen. Aber auf dem Brocken lagen tatsächlich um die 10 Zentimeter Schnee. Die schneeverrückten Labbis robbten voll Extase dadurch. Kinder starteten Schneeballschlachten (auch wir konnten uns zu der Gruppe zählen). Kingston stapfte freudig durch die Schneeansammlungen. Ein tolles Extra, dass die Wanderung zu etwas Besonderem machte. Deshalb blieben wir auch einige Zeit auf dem Brocken. Die grandiose Aussicht war ein weiterer Grund, länger oben zu verweilen.

Der Abstieg vom Brocken – 2. Wegteil

Der Rückweg war derselbe wie beim Aufstieg. Viele fuhren mit der Brockenbahn nach unten. Der nachmittagliche Abstieg war also ruhiger, auch wenn Kingston das nicht so sah. Der war für den Abstieg Feuer und Flamme. Kingston hatte richtig Spaß beim Felsenspringen. Also rannte er bergab, auch ein oder zwei Mal ohne Rücksicht auf Verluste, ich am anderen Ende der Leine. Einige Felsbrocken weiter, war Kingston so schnell, dass das Tempo höher als mein eigenes war. Ich sprang ab, konzentriert auf die Landung. Plötzlich wurde ich nach vorn gezogen. Mir dämmerte, was passieren wird. Ich strauchelte über die Steine, bis ein großer Felsen kam. Da war mein Balance-Management erschöpft. Ich rutschte hinter Kingston her. Erst die Füße, dann auf dem Arsch. Ein paar Millisekunden später hatte ich eine matschbraune Hose, wie der Ledereinsatz am Po einer Reithose. Alle lachten, Kingston im Inneren bestimmt auch.
Nach insgesamt sieben Stunden kamen wir erschöpft wieder am Auto an. Glücklich, mit qualmenden Füßen und mit einem zufriedenen Hund starteten wir den Rückweg. An diese Wanderung werden wir noch lange mit einem breiten Lächeln denken. Wiederholung garantiert!

Bist du den Weg schon gewandert? Wie sind deine Erfahrungen?

Wir erzählen euch unsere Erfahrung und geben Tipps mit bestem Gewissen. Trotzdem schließen wir die Haftung unsererseits aus. Ihr solltet Wandertouren nur starten, wenn sowohl ihr wie auch eure Hunde physisch und psychisch dafür fit seid.