Die Achillesferse unseres Gehorsams

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Eigentlich klappt der Trick gut, aber gerade klappt er nicht.
Eigentlich ignoriert Kingston andere Hunde an der Leine, hat er bei ihrem Hund aber gerade nicht gemacht.
Eigentlich klappt der Rückruf gut (ohne Ablenkung durch anderen Hund), aber gerade rennt Kingston auf dem Feld wie ein Bekloppter weg.

Achillesferse
Immer dieses „Eigentlich“ und ich ärger mich immer darüber, wenn ein Kommando bei Zuschauern oder Ablenkung nicht klappt. Und da liegt der Knackpunkt „bei Zuschauern und Ablenkung“.
Ich habe mich am Anfang von Kingstons Jugend irsinnig über mich geärgert, weil der Gehorsam nicht mehr klappte, z. B. der Rückruf. Natürlich kam bei der Pubertät auch die Pubertätstrotzigkeit dazu und der peitypische Charakterzug „Ach, du will was? Ich schau mal, ob ich nicht doch was besseres finde“ entwickelte sich. Aber das grundlegende Problem war: Ich war durch unseren Misserfolg beim Junghundtraining, bei dem mir gesagt wurde, ich sei das Problem, komplett entmutigt und hatte keinerlei Selbstvertrauen in der Erziehung mehr.

Shar pei Kingston und Malou

Grund der Achillesferse (=Schwachstelle)
Dabei hatte alles so gut angefangen. Es gab Regeln (von Einzug an) und über die Wichtigkeit hatte mich kein Trainer aufgeklärt. Ich habe es selber rausgefunden und dadurch zum Glück den Supergau eines komplett aufmüpfigens Kingstons umschifft. Aber als wir im Junghundetraining mit 20 Hunden auf dem Platz standen und wir sogar in eine Kleingruppe mit Hund(en), die Kingston nicht riechen konnte, gebracht wurden, fing der Schlamassel an.
Natürlich war der Gehorsam mit Anfang der Pubertät schon etwas eingerostet, aber er klappte immernoch. Dann kam die Junghundstunde. Kingston konnte mit keinem der Hunde weder davor noch danach spielen, weil keiner mit ihm klar kam. Wir waren in bis zu 3 Welpenstunden pro Woche ( meist nur bis zu 2, aber es kam auf die Gelüste des Kings an), um ihn gut zu sozialisieren und die Sozialisierung klappte trotz später Pubertätsallüren auch ganz gut. Die anderen kannten aber keinen Pei. Ich wusste nicht, wie sehr andere Hunde Probleme mit den Falten und dem stolzen Auftreten eines Peis Probleme haben könnten. Somit war’s nichts mehr mit spielen – von einem auf den anderen Tag. Kingston sah aber natürlich wie die anderen vor und nach dem Training spielten und jammerte kläglich.
Während des Trainings lief es auch nicht gut. Die vielen Hunde, das Mitbekommen, dass man vom Spiel ausgeschlossen wird und die nicht gut zu riechenden Hunden in den Kleingruppen waren einfach zu viel für den King. Wahrscheinlich habe ich auch einige Fehler gemacht. Mir wurde aber eingeredet, dass ich alles falsch machen würde. Ich sollte Kingston zu Kommandos zwingen. Wir hatten schon einen Familienhund, aber zwischen Shar Pei und Goldi liegen Welten. Die Trainer ließen ihr Training nur auf Vorurteilen basieren und setzten sich nicht mit Kingstons Charakter auseinander. Das Zwingen machte den Gehorsam fast ganz abgängig. Peis sind sensibel und durch diese Trainingsart zerstörte ich fast das ganze Vertrauen von dem King in mich. Ich finde das so traurig, denn ich wollte alles richtig machen. Alle traten so auf, als hätten sie wirklich Plan und ich würde alles falsch machen. Mir ging es beim Training echt mies, was dem Gehorsam von Kingston noch mehr Abgang brachte.
Lage Rede, kurzer Sinn: Kaum Vertrauen weder von mir in mich noch von Kingston in mich waren nach dem Abbruch des Trainings vorhanden. Kingston hatte aber durch die Pubertät schon ein riesiges Ego aufgebaut und weil Shar Peis Eigenbrödler sind, machte er auch nur noch sein Ding und fragte wenigstens nicht einmal mehr bei mir nach. Ich war am Boden zerstört.

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Neuanfang
Also lernten wir alles noch einmal von vorn. Wir lernten viel an der Leine und das Vertrauen, dadurch auch der Gehorsam, kamen zurück. Aber vor einigen Wochen ist mir unsere Achillesferse dann klar vor Augen gekommen. Kingston vertraut mir immer mehr. Aber das Hundetraining hat komplett mein Vertrauen in meine Erziehungsfähigkeiten erschüttert.
Vor ein paar Wochen war an Rückruf gar nicht zu denken. Denn ich dachte, ich mach ja sowieso alles falsch und der kommt sowieso nicht – im Unterbewusstsein. Mein Herz raste, meine Stimme schwankte bei jedem Rückruf. Kingston wusste: „Sie ist sich wieder unsicher. Ich muss es selber regeln. Ich mach das, was ich für gut halte.“ Und das bedeutet, er hört nicht. Immernoch wenn irgendwo Ablenkung lockt, sie aber noch weit genug weg ist (Kingston sie nicht einmal mitbekommt), erklingt dieses Zittern und Kingston hört kein Stück.

Fazit
Unsere Achillesferse ist nicht der King. Ich bin sie, beeinflusst durch unsere schlechte Erfahrung. Dadurch muss ich an mir trainieren und meinen Herzschlag und Stimme kontrollieren. Das klappt leider nicht immer und erst Recht nicht bei „bei Zuschauern und Ablenkung“. Denn das abhandengekommene Selbstbewusstsein in der Hundeerziehung hängt mir immer noch nach.

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Warum ich das alles schreibe?
Erstens: Meist ist der Mensch Schuld, wenn etwas nicht klappt.
Zweitens: Wenn das Training dir nicht gut tut, dann such dir lieber einen anderen Trainer.
Drittens: Such dir einen Trainer, der deinen Hund als Individium (auch mit schwierigen Chrakteren arbeiten kann) ansieht und nicht nach Rassevorurteilen vorgeht.
Wir haben es zwar alles erneut allein entwickelt und neu anerzogen, weil ich mich nicht wieder auf einen Trainer verlassen wollte. Aber als ich meine Praxis im Sachkundenachweis machte, traf ich eine sehr tolle Trainierin. Falls wir Probleme (die wir nicht selber in den Griff bekommen) bekommen sollten oder wir mit unserem Zweithund zu einer Welpenstunde/ Sozialisierungsstunde müssten, werde ich nur noch zu ihr gehen. Es gibt eine Menge Hundetrainer, die vielleicht für einige Hunde, die lernwillig sind und für deren Halter ein brauchbares Training abliefern. Aber es gibt nur wenige bis seltene Hundetrainer, die wirklich jeden Hundecharakter nachempfinden können, mit dir das richtige Training anfangen und nicht nur trainieren, sondern auch erziehen. Verlass dich auf dein Bauchgefühl und das deines Lieblings!

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P. S. Wir üben immer noch fleißig an der Leine und ich bei jeder Begegnung (mit Mensch und Hund) an dem Vertrauen, dass meine Erziehung klappt. Mein Fazit: Es läuft schon echt gut. Dafür, dass wir vor ein paar Monaten wieder von 0 anfangen mussten. Kingston sucht auch immer mehr meine Nähe. Das ist für mich sein Vertrauensbeweis pur. Mein Vertrauen in mich steigt zum Glück auch stetig.

8 Replies to “Die Achillesferse unseres Gehorsams”

  1. Ich habe Euch beide ja live erlebt und ich finde das toll wie Du mit Kingston umgehst, ohne Zwang und Druck und kein Hund hört 100 prozentig 🙂

    Sehr schade mit den schlechten Trainererfahrungen, ein Trainer sollte Mut machen und nicht den Menschen zum Verzweifeln bringen 🙁 Echt blöd was Euch passiert ist 🙁

    Gut das Du auf Dein Bauchgefühl gehört hast und das Kingston Dir „verziehen“ hat 🙂 So schön das Du eine passende Trainerin gefunden hast 🙂

    Hunde kann man nicht täuschen, sie merken leider wenn man unsicher ist, die Erfahrung habe ich auch schon oft gemacht 😉

    Mach weiter so !!! Ihr seid super zusammen 🙂

    Und Kingston ist so ein netter Hund <3
    Soviel kannst Du nicht falsch gemacht haben 🙂

    LG Eddie´s Fraule

    1. Danke für deine lieben Worte <3.
      Kingston und Eddie sind der Knaller. Zusammen sind die sowieso unschlagbar 😉

  2. Das hast du gut geschrieben. Es ist wichtig das du vertrauen in dich und deinen Hund hast. Ein Sharpei macht es einem nicht leicht, zeigt dir Erfolge aber doppelt gut. Ihr 2 seit ein gutes Team!!! LG Melli

    1. Danke für die netten Worte :-).
      Wir sind wirklich schon ein gutes Team (wieder) geworden. Aber das war auch eine Erfahrung, die ich keinem wünsche. Peis sind so sensibel, die machen dicht, wenn man sie zwingt und ich dachte, die ausgebildeten Trainer hätten Spaß daran sich mit allen Rassen auszukennen.
      Das stimmt. Der Sturkopf zeigt einem jeden kleinen Fehler auf, aber ist man gefestigt, hat er richtig Lust, was mit einem zu machen ;-).
      Herzliche Grüße 🙂

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