Ich weiß nicht, in wie weit euch das betrifft, aber mir ist in letzer Zeit aufgefallen, dass der Einschüchterungseffekt mich vor allem stark am Anfang des Lebens mit dem King betroffen hat. Aber es tangiert mich auch noch jetzt. Ob es nun Ängste sind, dass sich das Leben mit Hund negativ verändert. Ob ich mich davon beeinflussen lasse, wie „super“ die Leben der anderen Hundehalter (auch im Internet) laufen. Ob ich mir (zu) allgemeine Aussagen von erfahrerenen Leuten zu Herzen nehme…

Wer soll mich denn einschüchtern?

Der wahre Einschüchterungspart

Einschüchtern trifft es nur teils richtig. Es trifft auf die Gedanken auf negative Veränderung im Leben zu. Ängste, dass etwas immens schief laufen kann, schüchter(te)n den Glücklich-Teil meines Lebens ein. Weiter wurde es eingeschränkt, da ich die Einschüchterung vermeiden wollte und der Kontrolletti in mir hervorkam. Das sorgte auch dafür, dass Kingsti immer rebellischer wurde. Er hörte zwar, aber es fühlte sich „falsch“ an.
Ich verstehe ihn. Ehrlich gesagt, hätte ich auch kein Bock, dass alles genauestens in meinem Leben vorgegeben wird. Ein Kreislauf, der das Leben schwieriger macht(e).

Süßer Blick von Shar Pei Kingston
Kingstis Blick kann jedes Haareraufen durch seine Tollpatschigkeit wett machen.

Beeinflussung durch „Fachleute“

Warum „Einschüchtern“ aber nur teils passt? Andere Leute schüchtern mich nicht ein. Sie beeinflussen mich. Ich respektiere Erfahrung und nehme es ernst, wenn mir erfahrerene Menschen etwas beibringen wollen. Leider musste ich lernen, dass Erfahrung nicht gleich richtiges Wissen für mich und meine Tiere darstellt. Auch wenn es diese „Fachleute“ so darstellten.

Beeinflussung durch andere Leute

Zudem lasse ich mich von Menschen beeinflussen, die ich sympatisch finde. Das fällt einem im Internet leichter, ohne wirklich das ganze Leben mitzubekommen. Genau dort liegt dann auch das Problem: Wieso ist bei Ihnen alles so einfach? (Spoiler: Meist wird der lange Weg unter den Futternapf gekehrt und nur das tolle Ergebnis gezeigt, aber das vergisst man schnell)

Die Erkenntnis reift

Na toll. Schön, dass ich mich da so lenken lasse… Aber bringt es mich und vor allem mich mit meinem Liebling weiter? Nein. Ganz klar Nein.

Genervter Blick vom Shar Pei Kingsti
Wenn man selber von sich genervt ist → King’s Blick beschreibt es passend.

Nur wenn es mal runter geht, kann es auch wieder hoch gehen.

Vor ein paar Monaten kam das Gedankenkarussel in Gang. Was bedeutet diese Erkenntnis, dass mich diese Beeinflussung nicht weiterbringt, für mich? Zunächst ist mir aufgefallen, dass ich selber versuche (und ich kenne auch einige andere Blogger und Instagrammer, die auch darauf achten), nicht nur die positiven Seiten darzustellen. In Kingstons Tagebuch erzähle ich euch immer von unseren Höhen und Tiefen, wie in diesem Beitrag spreche ich offen unsere Schwachstellen an – sobald sie mir auffallen. Ich durchbreche also diese Beeinflussung, auch um mir zu zeigen, was wir schon alles zusammen geleistet haben. Trotzdem lasse ich mich ab und an noch von den „Alles läuft nur super mit Hund“ blenden.

Kritik & Rat bringt dich nur personen-/tierbezogen weiter.

Dass nicht alles stimmt, was erfahrerene Menschen einem auf den Weg mitgeben, habe ich schon früh mitbekommen. Es gibt gute Trainer, die ich empfehlen würde. Aber ich weiß nun, dass ich keinen Rat annehmen muss, wenn die Tipps nur allgemein ausgesprochen werden. Kritik nehme ich mir immer noch zu Herzen, lasse sie aber reflektiert Revue passieren. Wenn Kritik/Rat nicht auf mich oder mein Liebling bezogen sind, wenn sie unsere Vergangenheit, unseren Weg nicht einbezieht oder einfach nur lapidar rassetypisch ausgesprochen werden, perlt es ab.
Ich mache mir Gedanken. Ich muss abwägen, in wie weit das Ausgesprochene uns wirklich betrifft. Aber ich habe gelernt, es nur ernst zu nehmen, wenn es wirklich Kritik über oder ein Rat für uns ist.

Ängste und Kontrolle sind nicht lebenswert.

Der Punkt, der unser Leben wirklich sehr beeinflusst hat, war (und teils noch ist) die Angst. Kingsti wird krank. Kingsti verletzt sich. Kingsti ist auf einmal weg – egal, warum. Dieser Gedankentornado nahm seinen Ursprung in Kingstons Weglaufen. Über die Jahre nahm er dann Fahrt auf. Bis ich vor ein paar Monaten fast weggefegt wurde.
Besser wurde es nicht, dass Kingsti sowieso ein Tollpatsch ist und Verletzungen deshalb immer vorkommen (Beispiel: 4 Augenverletzungen und abgebrochener Zahn in den letzten 6 Monaten). Aber als ich fast wegflog, Kingsti immer weiter einschränkte, dämmerte es mir. Waren wir dort nicht auch vor ein paar Jahren?
Kingsti lehnte sich immer weiter gegen mich auf. Er hörte, aber wir waren nicht mehr im Einklang. Es fühlte sich so fremd an – allgemein der Umgang mit allen Rabauken. Ich hatte als Kind ein ganz anderes Gefühl, ein anderes Kommunikationsempfinden mit Tieren. Das wollte ich wieder und krempelte alles um.

Was ich wieder lerne & lebe

Ich möchte dir zuerst sagen, ich bin jetzt seit Monaten dabei, unser Leben zu ändern. Wann der Anfang war, kann ich nicht mehr genau sagen, aber eins kann ich euch mitteilen: Es ist ein langer (Lern-) Prozess, obwohl ich eigentlich alles als Kind schon konnte.

Nur wenn du mit dir Zeit verbringen willst, möchte es auch jemand anders.

Das beste Beispiel, das ich kenne, dass dir jemand folgen/mit dir Zeit verbringen möchte, ist, ein Pferd zu führen. Wenn du dir unsicher bist, du Angst hast oder dir nicht selbst vertraust, wird es dir nicht folgen. Warum sollte es auch? Würdest du mit so jemanden gern Zeit verbringen?
Also Kopf hoch, Schultern nach hinten, lächel dir selber zu. Du musst dich mit niemandem vergleichen, denn dein Leben ist ein Unikat. Mach das Beste draus und dein Liebling wird auch immer mehr dir folgen. Du brauchst dann keine Kontrolle, denn ihr könnt miteinander kommunizieren und du wirst dabei ernst genommen.

Jeder Tag hat das Potential genial zu werden.

Es gibt noch einen weitere wichtige Sichtweise aus der Kindheit, die im Leben mit Tier hilft: Als Kind wacht man morgens auf und auch wenn es 05.00 Uhr ist, kann man den Tag nicht erwarten. Es können so viele Abenteuer entstehen. So viele schöne Sachen sind zu sehen, zu untersuchen, zu erleben. Dieser Zauber bleicht mit den Jahren aus. Haushalt, Studium, Arbeit, Kochen, noch mehr Lernen für Studium – uff, Tag um und trotzdem nur Hälfte der To-Dos geschafft. Morgens wacht man auf – der ewige Trott erwartet einen. Mach einen Schnitt!
Ein Post-It an die Schlafzimmertür oder ein Frühstücksbrettchen, dass dich jeden Morgen an das Genial-Potential des Tages erinnert. Schau deinen Hund an und erinner dich. Bei mir wird sowas auf den Körper getackert, aber für manch einen ist das wahrscheinlich ein Schritt zu weit. Egal wie: Erinner dich an das Potential der Situation, des Tages, an deins und lebe es. Mach dir dadurch ein glückliches Leben mit deinem Liebling – indem du mit weniger Sorgen lebst!

Mein Schlusswort an dich und mich

All das Angesprochene ist nicht einfach umzusetzen. Vor allem, weil ich gern plane, betrachte ich auch die Risiken. Da spontan in den Tag zu starten und die Sorgen hinten überfallen zu lassen – pfff, die ersten Wochen waren hart!
Aber es lohnt sich. Kingsti und ich werden eine Einheit, viel mehr als jemals zuvor. Das Wichtigste, was ich aus den letzten Jahren mitnehme:

  • Kritik und Rat ist nur annehmenswert, wenn es persönlich ist. Alles andere mit Einschüchterungseffekt ist unnötig.
  • Wenn man das Kind (und die Einstellungen) wieder aufleben lässt, hilft das einem mit dem Liebling viel mehr als alle starren und systematischen Erwachsenenannahmen (bedeutet nicht, dass bspw. Regeln und ähnliches unnötig sind).
  • Dein Liebling spürt, wie es dir geht. Ein gemeinsames, glückliches Leben liegt vor allem an deiner Einstellung.

Wieso so viele über Fehlschläge schweigen?

Beiträge wie dieser sind immer die, bei denen es am schwersten ist, auf „Veröffentlichen“ zu klicken. Keiner gibt gern Fehler zu, aber wir machen sie nun mal. Hilf Hunden und ihren Haltern, in dem du auf deinem Blog, Instagramaccount oder ähnliches nicht nur den schönen Teil eures Lebens zeigst. Ich muss auch immer über meinen Schatten springen. Aber damit helfe ich sogar auch mir, wenn ich mir Gedanken über Erfolge und Fehlschläge mache.
In unserem Projekt „Hundeleben in Deutschland“ kannst du das, auch ohne dein Gesicht zu zeigen. Aber es hilft anderen, zu sehen, dass sie nicht allein mit Fehlschlägen sind. Schau doch mal vorbei und ich würde mich über deine Teilnahme freuen. Oder verlinke mich auf Instagram, wenn du mal über schwierige Situationen sprichst. Ich schau gern vorbei und ein Platz in unserer Story ist dir gewiss. Wenn du privat etwas los werden willst, steht dir unser Kontaktformular zur Verfügung.

→ Bilder für Pinterest ↓ (Klicke, um zu sehen)