An der Leine und kein Interesse an anderen Hunden – das funktioniert!

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Geschichte des ziehenden Flummis am anderen Leinenende

Kingston ging früher gern auf andere Hunde zu, auch zu Zeitpunkten zu denen ich das nicht wollte. Okay, zugehen ist etwas flach ausgedrückt. Teilweise ist er einen Meter hoch gesprungen, hat seine komplette Muskelkraft in die Vorwärtsbewegung gelegt und hat sich aus Geschirr und Halsband befreit. Teilweise waren die Hunde auch mehr als 5 Meter entfernt und trotzdem war er extrem aufgeregt. Ich will nicht sagen, dass bei uns jetzt alle Begnungen astrein ablaufen. Es kommt auf Kingstons Gemütslage und auch auf meine an, in wieweit er nicht auf andere reagiert, auch wenn diese ihn anpöbeln oder zum Spiel auffordern, aber er hat nach unseren Trainingsmaßnahmen kaum bis kein Interesse an anderen Hunden, wenn er an der Leine läuft.

Ursachenergründung- wieso ist mein Hund motiviert, sich so an der Leine zu verhalten?

Kingston hatte (und hat teilweise noch) 2 Motivationen. Die eine Ursache des Leinen(tau)ziehens ist, dass er andere Hunde mit Halligalli, Spiel und Spaß verknüpft hat. Ich weiß nicht, in wie weit die Welpengruppen zu dieser Annahme geführt haben. Aber die Welpengruppen waren auch positiv. Denn Kingston verknüpft wenigstens positives mit allen anderen Hunden, wobei Shar Peis eigentlich kleine „Rassisten“ sind.
Die zweite Motivation war, dass er schon mal von einem flauschigen, großen Mischling gebissen wurde. Diese Erfahrung projizierte er zunächst auf alle flauschigen Hunde, derzeit immernoch teilweise auf große Hunde mit viel Fell. Bis ich aber selber diese Situation mit seinem auf einmal selbstbeschützenden Verhalten gegenüber solchen Hunden verknüpft hatte, hatte sich leider in seine „Ich muss mich vor dem nächsten Angriff schützen“-Einstellung schon fast eingelebt. Denn Kingston war komplett normal nach dem Vorfall. Erst ein paar Tage später fing er an, die Verhaltensweise des Selbstbeschützens auszuführen.

Lernen braucht Zeit – eine Ursache nach der anderen

In diesem Beitrag werde ich über das Ziehen durch die Erwartung des Spiels und wie wir es in den Griff bekommen haben, berichten. Da diese Einstellung schon seit Kingstons Kindheit eingetrichtert wurde, musste ich eine Baggerladung Geduld ranschaffen. Wahrscheinlich hätte man von Anfang an die Begnung mit Hunden an der Leine zusätzlich und anders lernen sollen, aber hätte, hätte, Hundekette.

Das Bestätigen der Erwartung verhindern

Kein Kontakt mehr an der Leine. Für viele klingt das hart, aber für die meisten Hunde ist das Spiel extrem interessant. Dadurch vergessen Sie meist Halter und Leine. Kingston musste auf der Seite von mir gehen, auf der nicht der andere Hund an uns vorbeiging. Dadurch war ich schon mal zwischen den Hunden und konnte, wenn der andere Hund gezeigt hat, dass er gern auf Kingston eingehen würde, meine Präsenz einsetzen, um Kingston abzuschotten.
Zudem bat ich, dass andere Hundehalter bitte ihre Hunde an die Leine nehmen, wenn sie uns begegnen. Denn jede kleine Bestätigung hätte uns weit zurückgeworfen. Woher ich das weiß? Es gab eine Frau, die sich daran nicht hielt und deren Hündin immer mit Kingston spielen wollte. Aber lobend muss ich auch einwerfen, dass es hier viele Halter gibt, die ihren Hund sowieso an die Leine oder ins Fuß nehmen, wenn sie einem angeleinten Hund begegnen.
Außerdem gab es natürlich ein ausbruchssicheres Geschirr, damit Kingston bloß nicht allein entscheiden kann, wann er die Bindung zu mir abbricht. Eine Leine ist nämlich nicht lästig. Sie kann den Hund daran erinnern, dass er nicht allein unterwegs ist. Kingston ist, glaube ich, auch kein reiner Shar Pei. Er ist mind. zu 1/4 ein Aal, so wie er sich überall rauswinden konnte *grins*.

Motivation umleiten

Mit der Zeit war Kingston zwar immernoch an den anderen Hunden interessiert, aber ich merkte, dass er nicht mehr so fixiert war, weil er keine Bestätigung seiner Avoncen bekam. Nun kam mein nächster Schritt. Er sollte sich nicht mehr auf die anderen Hunde konzentrieren. Kingston sollte unseren Spaziergang fortführen. Natürlich durfte er aufsehen und den anderen Hund registrieren. Aber dann sollte er wieder zu unserem Spaziergang übergehen. Vielleicht ist aufgefallen, dass ich bis jetzt noch kein Stück von Leckerlis geredet habe. Kingston hat mir beigebracht, dass das Vollstopfen bei vielen Erziehungs- und Trainingszielen nichts bringt. Mein Ziel war, dass er sich auf uns besinnt. Denn ein Spaziergang bedeutet Zeit, die man gemeinsam verbringt. Kingston soll sich dann nicht auf die Leckerlis konzentrieren. Er soll unsere Unternehmung interessant finden. Ich unterstützte seine ersten Versuche und weitere Taten mit lobenden Worten. Busch beschnüffeln, mich ansehen, markieren ohne den Duft des anderen Hundes zu erschnüffeln oder auf den anderen Hund einzugehen, bestärkte ich. Natürlich zeigte ich meine Begeisterung wesentlich mehr, wenn er sich nochmal an mich wendete, um zu erfragen, wie wir uns jetzt verhalten werden.
Zu Anfang ignorierte ich auch alle Hunde und teilweise auch die Halter, weil ich merkte, dass Kingston sonst auch extrem interessiert war, wieso ich da hinschaue oder mit der Person rede. Wie man die Motivation fördert und verkleinert, sollte jeder an der Körpersprache seinen Hundes ablesen (können).

Ziel des entspannten Spaziergangs &  kein Interesse an anderen Hunden erreicht

Kingston reagiert natürlich immer mal wieder auf Hunde. Es ist auch schwierig cool und uninteressiert zu bleiben, wenn man mit dem anderen sonst im Freilauf spielt oder der andere viele oder extreme Spielaufforderungen vollführt. Aber Kingston kann jetzt mit mir sogar an Hunden vorbeigehen, die weniger als einen halben Meter entfernt sind. Ab und zu muss ich ihm sagen, dass jetzt kein Kontakt stattfindet, aber oft will er unsere gemeinsame Qualititytime (auch das musste ich selber lernen, vor allem mit dem ewigen Begleiter Smartphone*zwinker*) sowieso nicht unterbrechen und läuft weiter.


Fotos: Maria von Maloutainment, Illustrationen: dankenswerter Weise kostenlos von Aram&Abra zur Verfügung gestellt


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Ein Kommentar bei „An der Leine und kein Interesse an anderen Hunden – das funktioniert!“

  1. […] Hund(en) vorbeigingen, musste Malou mich nur höchstens 1x an meine Seite erinnern und wir gingen mit lockerer Leine vorbei – sogar auf dem gleichen Bürgersteig. Das schienen manche echt bewundernswert zu finden, […]

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